Grüne fordern staatliche Kennzeichnung für regionale Produkte

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| Lesedauer: 2 Minuten Michael Gassmann Von Michael Gassmann Korrespondent Handel und Konsumgüter

Customers shopping in an organic grocery store Customers shopping in an organic grocery store Viele Deutsche achten beim Einkauf darauf, woher das Produkt kommt Quelle: Getty Images

Regionale Lebensmittel werden in Deutschland immer beliebter. Doch aus Sicht der Grünen ist völlig unklar, was regional ist und was nicht. Sie fordern eine klare Kennzeichnung, einen Mindestanteil – und eine Höchstkilometerzahl. 0  Kommentare Anzeige

Vor dem Hintergrund der wachsenden Marktbedeutung regionaler Lebensmittel fordern die Grünen genaue Vorschriften zu deren Kennzeichnung. „Im Handel werden viele Lebensmittel als regional beworben, die meiner Meinung nach nicht regional sind“, sagte Renate Künast, die ernährungspolitische Sprecherin der Partei und ehemalige Verbraucherschutzministerin, gegenüber WELT AM SONNTAG. Für die Kennzeichnung müssten deshalb feste Regeln gelten: „Der Mindestanteil regionaler Zutaten muss bei 70 Prozent festgelegt werden, und es muss eine Höchstkilometeranzahl gelten, die ein Produkt zurückgelegt haben darf.“

Der Kunde müsse außerdem erkennen können, welche Region konkret gemeint sei. Das Ernährungsministerium sei noch weit davon entfernt, diese Transparenz sicherzustellen. „Die Bundesregierung weiß nicht mal, wie hoch der Anteil an regionalen Lebensmitteln in den 144 Kantinen des Bundes ist“, kritisierte Künast.

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Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt solche Forderungen ab. Eine klare und womöglich gesetzlich geregelte Definition des Begriffs „Region“ liege nur scheinbar auf der Hand, hieß es aus ihrem Ministerium. Das Verständnis von Regionalität sei in Wahrheit aber sehr unterschiedlich: „Eine einheitliche, umfassende und für alle Lebensmittelgruppen gültige Definition ist allein schon mit Blick auf die vielen Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln kaum möglich“, erklärte das Ministerium gegenüber WELT AM SONNTAG.

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Man setze daher weiter auf das 2014 eingeführte Regionalfenster. Das freiwillige Label zeigt an, woher die wichtigsten Zutaten eines Produkts stammen, wo es verarbeitet wurde und wie hoch der Anteil regionaler Zutaten ist. Inzwischen seien über 4200 Produkte mit dem Regionalfenster gekennzeichnet, hieß es aus Klöckners Ministerium.

Immer mehr Verbraucher wollten Landwirte in ihrer Region „unterstützen und regionale Arbeitsplätze sichern“, sagte die Ministerin gegenüber WELT AM SONNTAG. Die Deutschen wünschten sich wieder einen engeren Bezug zur Herstellung ihrer Lebensmittel.

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Quelle: WELT/David Schafbuch

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