Deutsche horten eine Billion Euro auf zinslosen Girokonten

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| Lesedauer: 2 Minuten Philipp Vetter Von Philipp Vetter Wirtschaftskorrespondent

An employee handles bank notes at the security and protection company Brink's on July 12, 2016 in Rennes, western France. AFP PHOTO / DAMIEN MEYER / AFP PHOTO / DAMIEN MEYER (Photo credit should read DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images) An employee handles bank notes at the security and protection company Brink's on July 12, 2016 in Rennes, western France. AFP PHOTO / DAMIEN MEYER / AFP PHOTO / DAMIEN MEYER (Photo credit should read DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images) Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sortiert Geldscheine. Auch Bargeld bringt keine Zinsen Quelle: AFP/Getty Images

Die Deutschen haben so viel Geld wie noch nie auf ihren Girokonten. Ende des Jahres wird das Guthaben erstmals den Billionenwert übersteigen. Hier zeigt sich die Ratlosigkeit der Deutschen in der Nullzinsphase. 0  Kommentare Anzeige

Trotz lukrativer Alternativen an der Börse horten die Deutschen ihr Vermögen auf zinslosen Giro- und Tagesgeldkonten. Ende dieses Jahres wird allein auf deutschen Girokonten die gigantische Summe von einer Billion Euro liegen, zeigt eine Auswertung des Finanz-Start-ups Deposit Solutions.

Die Besitzer erhalten für dieses ungenutzte Geld in der Regel nicht nur keine Zinsen, sondern verlieren über Gebühren sogar regelmäßig einen Teil ihres Vermögens. Der Berechnung zufolge wird das Giroguthaben der Deutschen Ende dieses Jahres etwa 1002 Milliarden Euro und damit erstmals mehr als eine Billion betragen. Auf Tagesgeldkonten schlummern zusätzlich rund 566 Milliarden Euro – ebenfalls ein Rekordwert.

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Noch im Vorjahr hatten auf Girokonten lediglich rund 890 Milliarden Euro gelegen. Durchschnittlich stieg das Guthaben auf den zinslosen Konten in den vergangenen fünf Jahren um zwölf Prozent pro Jahr. Seit 2012 hat sich der Betrag auf den Girokonten pro Kopf von 6300 Euro auf 12.400 Euro fast verdoppelt.

Quelle: Infografik WELT

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Bei den Tagesgeldkonten ist der Anstieg etwas gebremster. Aber auch hier wuchs das Guthaben im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent. Durchschnittlich hatten die deutschen Tagesgeldkontobesitzer 2018 rund 13.300 Euro dort hinterlegt. Allerdings sank die Zahl der insgesamt genutzten Tagesgeldkonten erstmals leicht um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Start-up hatte für diese Auswertung unter anderem auf Daten der Deutschen Bundesbank, der Europäischen Zentralbank sowie des Statistischen Bundesamtes, der Statistikbehörde Eurostat und des Instituts für Mittelstandsforschung zurückgegriffen.

In der offiziellen Statistik der Deutschen Bundesbank werden lediglich sogenannte Konten für täglich fällige Einlagen ausgewiesen, darunter werden sowohl Girokonten als auch Tagesgeldkonten sowie Gelder mit täglicher Kündigung und Geldkartenguthaben zusammengefasst. Laut der deutschen Zentralbank betrug das Guthaben auf diesen Konten 2018 insgesamt 2,345 Billionen Euro.

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Es ist in den vergangenen Jahren ebenfalls stark angestiegen, im Jahr 2014 lag es noch bei lediglich 1,642 Billionen Euro. Auch die Zahl der Konten ist in diesem Zeitraum von knapp 100 Millionen auf gut 105 Millionen Stück weiter angestiegen. Die meisten werden von Landesbanken und Sparkassen (knapp 43 Millionen) geführt, gefolgt von Kreditbanken (34,6 Millionen) und Genossenschaften (27 Millionen).

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