Ausgerechnet der SUV-Boom befeuert den Trend zum E-Auto

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| Lesedauer: 3 Minuten Philipp Vetter Von Philipp Vetter Wirtschaftskorrespondent

Mächtige SUVs sind gefragter als die Kompaktklasse Mächtige SUVs sind gefragter als die Kompaktklasse Mächtige SUVs sind gefragter als die Kompaktklasse Quelle: Bloomberg

Eigentlich sollte es erst zum Jahresende soweit sein: Nun wird die Schwelle von einer Million neuer SUVs in 2019 schon im November erreicht sein. Laut Experten könnte dessen Boom für die Elektromobilität in Deutschland unerwartete Folgen haben. 0  Kommentare Anzeige

Der SUV-Boom in Deutschland beschleunigt sich weiter: Schon jetzt dürfte die Grenze von einer Million im Jahr 2019 neu zugelassenen sportlichen Geländewagen übersprungen worden sein. Ursprünglich hatten Experten erst für das Jahresende vorhergesagt, dass die Million-Marke geknackt würde.

Doch angesichts des immer größeren SUV-Anteils an den Neuwagen, werden schon die in wenigen Tagen veröffentlichten November-Zahlen ausreichen, um die Schwelle zu überspringen. Das geht aus einer Analyse des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen hervor, die WELT vorliegt.

Demnach erreichte die SUV-Quote im Oktober mit 34,7 Prozent einen neuen Höchstwert in Deutschland. Sie sind damit die meistverkaufte Karosserievariante hierzulande. Seit 2010 nahmen die SUV-Verkäufe laut CAR durchschnittlich um elf Prozent zu.

Quelle: Infografik WELT

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Allein in diesem Monat wurden 98.708 sportliche Geländewagen zugelassen. Damit kletterte die Gesamtzahl für dieses Jahr bereits nach zehn Monaten auf 974.501 Exemplare. Damit wird zum Jahresende womöglich sogar die Marke von 1,1 Millionen neuen SUVs erreicht.

Die Experten des CAR-Instituts gehen davon aus, dass das hohe Wachstumstempo anhalten wird. Denn trotz der Rekordwerte liegt der SUV-Anteil noch unterhalb der Quote anderer Länder. In der Schweiz liegt die Quote beispielsweise bei mehr als 40 Prozent der Neuwagenkäufe.

Allerdings gibt es keine allgemein gültige Definition für SUVs. Das Kraftfahrtbundesamt unterscheidet beispielsweise noch einmal zwischen SUVs und Geländewagen. Auch sogenannte Crossover oder CUVs werden in der Regel mitgezählt, obwohl sie im Vergleich mit klassischen SUVs wie dem Audi Q5 oder dem BMW X3 oder X5 deutlich kleiner sind, aber eben doch durch eine erhöhte Sitzposition und eine höhere Kabine von Limousinen abweichen.

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Die Fahrzeugklasse ist in den vergangenen Monaten immer stärker in die Kritik geraten. Neben Sicherheitsbedenken, die vor allem durch einen tödlichen Unfall eines Porsche-SUVs in Berlin ausgelöst worden waren, der in eine Menschengruppe gefahren war, gilt vor allem der höhere Ausstoß von klimaschädlichem CO2 als bedenklich.

SUV-Boom macht es schwieriger die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen

Für die Fahrzeughersteller ist der SUV-Boom einerseits erfreulich, weil sich mit diesen Modellen deutlich höhere Gewinne erzielen lassen als mit kleineren Autos. Andererseits sorgt der höhere Kohlendioxidausstoß aber auch dafür, dass es den Autobauern noch schwerer fällt, die Vorgaben der EU einzuhalten, wie viele Emissionen ihre Gesamtflotten noch verursachen dürfen.

„Heute sind SUVs gefragt, trotz Greta Thunberg“, sagt CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer. „Für die Autobauer ist es daher wichtig, die Balance zwischen SUV-Mehrverbrauch und CO2-Emissionen der Neuwagen zu schultern.“

Das funktioniert vor allem, indem gleichzeitig mehr Elektromodelle oder zumindest Hybridfahrzeuge auf den Markt gebracht werden. Auch elektrische SUVs dürften künftig ein lukrativer Markt werden. BMW wird 2020 eine Elektroversion des X3 auf den Markt bringen, Audi und Mercedes haben mit dem e-tron und dem EQC schon entsprechende Fahrzeuge im Angebot.

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Quelle: Infografik WELT

Beim CAR-Institut glaubt man daher, dass der SUV-Trend sogar dazu führen könnte, dass sich die Entwicklung hin zur Elektromobilität sogar beschleunigt. „So kurios es klingt, mehr SUVs sind eine Chance, E-Mobilität schneller in Deutschland umzusetzen“, sagt Dudenhöffer.

Denn nicht nur elektrische SUVs werden so schnell eingeführt werden, die Hersteller haben zudem ein Interesse daran, als Ausgleich für die steigende Zahl von SUVs mit hohem Kraftstoffverbrauch auch viele kleinere Elektroautos auf die Straßen zu bringen.

Sollte das Wachstum des SUV-Anteils im Tempo der vergangenen Jahre weitergehen, könnte schon 2025 die Hälfte aller Neuwagen aus diesem Segment stammen, laut CAR-Prognosen wird diese Schwelle selbst bei einer Verlangsamung des Trends aber spätestens 2030 überschritten werden.

Da SUVs vor allem auch bei älteren Autokäufern beliebt sind, weil die höhere Fahrerkabine ein leichteres Aus- und Einsteigen ermöglichen, rechnen Experten damit, dass angesichts einer alternden Gesellschaft der Trend zum SUV ungebremst anhalten wird.

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