Die neue Liebe des Silicon Valley zu Donald Trump

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| Lesedauer: 6 Minuten IMG_8803.jpg Von Stefan Beutelsbacher US-Korrespondent

Nur ein Tech-Gigant hält Abstand zu Donald Trump

Ob Werksführung in Texas oder Dinner mit Tim Cook, immer mehr Tech-Giganten suchen die Nähe zu Donald Trump. Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus Differenzen. Nur ein Unternehmen hält weiter Abstand zum US-Präsidenten.

Quelle: WELT/Christoph Hipp

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Lange standen Amerikas Tech-Giganten an der Seite der Demokraten, nun umschmeicheln sie den Präsidenten. Die Chefs der Konzerne speisen mit Trump und führen ihn durch ihre Fabriken. Nur einer macht nicht mit. 0  Kommentare Anzeige

Eine Fabrik in Texas. Arbeiter in blauen Kitteln stehen vor Fließbändern und bauen den Mac Pro zusammen, einen Luxuscomputer für 6000 Dollar. An einem Nachmittag im November gibt Apple-Chef Tim Cook dem US-Präsidenten Donald Trump dort eine Führung – schließlich handelt es sich um ein Vorzeigewerk.

„Das ist ein ganz besonderer Tag für mich“, sagt Trump, wie auf Videoaufnahmen zu hören ist. Er habe oft prophezeit, dass Apple eines Tages in den USA fertigen werde, nicht in China. „Und das“, fährt Trump fort, „ist nun passiert.“ Später legt er nach: „Heute habe ich eine große Apple-Fabrik eröffnet, die Arbeitsplätze nach Amerika bringt.“

Tatsächlich wurde das Werk nicht an jenem Nachmittag eingeweiht. Es ist schon seit sechs Jahren in Betrieb. Und der Mac Pro ist auch das einzige bedeutende Apple-Gerät, das in den USA produziert wird, alle anderen kommen aus China.

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Was Trump in der Fabrik sagte, war also unwahr, wieder einmal, aber das wirklich Bemerkenswerte ist, dass Cook ihn gewähren ließ. Der Manager sprach kurz nach Trump, ohne die falsche Aussage zu korrigieren. Die Szene gibt einen Einblick in die Beziehung der beiden Männer. Und sie ist ein Symbol dafür, wie Amerikas Tech-Giganten versuchen, sich mit Trump zu arrangieren.

Wie das Silicon Valley, lange Zeit auf der Seite der amerikanischen Linken, sich nun mit den Republikanern gutstellen will. Apple, Facebook, Google, sie alle, so scheint es, schmeicheln sich bei Trump ein. Nur Amazon, der Konzern von Jeff Bezos, macht nicht mit.

iPhone macht Wirtschaftspolitik

Cook, der Apple-Chef, kritisierte Trump in der Vergangenheit oft, zum Beispiel für seine harte Politik gegenüber Einwanderern. Aber seit einiger Zeit will er das Verhältnis zum Präsidenten offenbar verbessern. Die beiden trafen sich zuletzt regelmäßig zum Dinner, Trump nennt Cook inzwischen sogar einen Freund.

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Zudem sitzt Cook in einem Beraterzirkel des Weißen Hauses. Und jetzt bot er Trump in der texanischen Fabrik eine Bühne, um sich selbst zu loben und seine Gegner zu attackieren. Während des Besuchs bezeichnete Trump die Demokraten, die ihn des Amtes entheben wollen, als „inkompetent“ und als „Lügner“. Cook stand stumm daneben.

Wer führt hier wen? Apple-Chef Tim Cook und Donald Trump in einer Apple-Fabrik in Texas Wer führt hier wen? Apple-Chef Tim Cook und Donald Trump in einer Apple-Fabrik in Texas Quelle: AP/Evan Vucci

Warum ließ er zu, dass seine Fabrik zur Kulisse für einen solchen Auftritt wurde? Es könnte damit zu tun haben, dass Trump für den 15. Dezember neue Zölle gegen China angekündigt hat – also gegen das Land, in dem Apples wichtigstes Produkt entsteht, das iPhone. Das Handy sorgt für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. Cook hofft, dass es von den Zöllen ausgenommen wird. „Wir schauen uns das an“, sagte Trump in dem Apple-Werk.

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Cook ist nicht der einzige Firmenchef, der mit Trump speist. Im Oktober empfing der Präsident auch Mark Zuckerberg, den Gründer von Facebook, im Weißen Haus. Zuckerberg kam mit Peter Thiel, einem Trump-Unterstützer, der im Aufsichtsrat des Online-Netzwerks sitzt. Ungefähr zu dieser Zeit traf Facebook eine Entscheidung, die Trump freuen dürfte.

Das Unternehmen verkündete, man werde politische Werbung nicht auf Richtigkeit prüfen und nichts unternehmen, wenn Politiker falsche Informationen verbreiten. Anders formuliert: Sie werden im Wahlkampf 2020 auf Facebook ungehindert lügen können. Die Demokraten kritisieren, diese Regelung helfe vor allem Trump.

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„Zerschlagt die Tech-Giganten“

Auch Google erzürnte kürzlich die Demokraten. Die Suchmaschine weigerte sich, ein Werbevideo zu löschen, das Joe Biden diffamierte. Biden, einst Vizepräsident unter Barack Obama, tritt in den Vorwahlen der Demokraten an und will im kommenden Jahr Trump bezwingen. In dem halbminütigen Spot geht es um die Ukraine-Affäre. Biden wird in dem Film Korruption unterstellt.

Google kündigte später an, politische Anzeigen künftig strenger zu regeln, was wiederum Trump ärgerte. Einzelne Nutzergruppen, so entschied der Konzern, sollen im anstehenden Wahlkampf nur nach drei Merkmalen angesprochen werden können: Alter, Geschlecht und Postleitzahl. Damit wird es nicht möglich sein, Menschen gezielte Werbung aufgrund ihrer politischen Einstellung anzuzeigen. Ob jemand eher links oder rechts ist, ist für Kampagnenmanager der Parteien nicht mehr sichtbar.

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Apple und Facebook, so scheint es, wenden sich von den Demokraten ab und gehen auf Trump zu, Google sucht wohl immerhin einen Mittelweg. Dabei galten alle drei bisher als Freunde der Demokraten, als eine Bastion der Progressiven. Was ist geschehen?

Ein Grund könnte sein, dass die Demokraten planen, die Dominanz der Internetgiganten zu beenden. „Break up Big Tech“, fordert zum Beispiel immer wieder die Kandidatin Elizabeth Warren, „zerschlagt die Tech-Giganten.“

Trump-Kritik kostet Milliarden

Die Senatorin aus Massachusetts will Apple, Facebook, Google und Amazon aufspalten, in viele einzelne Firmen filetieren, so wie es Amerika einst mit dem Öl-Imperium von John Rockefeller tat. Nicht alle Demokraten sind so radikal wie Warren. Aber es gilt als gewiss, dass alle die Branche zumindest stärker regulieren wollen.

Nur ein Tech-Gigant, so scheint es, lässt sich von all dem wenig beeindrucken und hält Abstand zu Trump: Amazon. Der Präsident ist auf den Online-Händler nicht gut zu sprechen. Ihm missfällt die kritische Berichterstattung der Washington Post, die Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört.

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Kürzlich nannte Trump den Unternehmer in einem Tweet „Jeff Bozo“ – Bozo war im Amerika der 1960er-Jahre ein berühmter TV-Clown. Zuvor bot Bezos dem Präsidenten an, ihn mit einer Rakete seiner Raumfahrtfirma Blue Origin in den Weltraum zu schießen. Die beiden Männer – einer zählt zu den reichsten der Welt, der andere zu den mächtigsten – tragen seit Jahren eine Fehde aus.

Und Amazon bekommt das zu spüren. Im vergangenen Monat vergab das Pentagon einen Milliarden-Auftrag und überging den Konzern. Stattdessen schloss man den Deal mit Microsoft. Das Unternehmen soll die Informationstechnik des Militärs modernisieren und Clouds einrichten. Jedi heißt das Projekt, das steht für Joint Enterprise Defense Infrastructure.

Die Mitarbeiter denken anders

Amazon geht gerichtlich gegen die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums vor. In dem Vergabeverfahren herrschte dem Unternehmen zufolge eine „unverkennbare Voreingenommenheit“. Ist das die Rache Trumps, sehen so die Folgen aus, wenn man den Präsidenten verprellt?

Die Manager der anderen Tech-Konzerne mögen Trump umgarnen – aber ihre Mitarbeiter sehen es wohl eher wie Bezos. Die meisten unterstützen weiterhin die Demokraten. Für niemanden spendet das Silicon Valley so viel Geld wie für Elizabeth Warren und Bernie Sanders.

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Google-Mitarbeiter überwiesen Warren bisher mehr als 130.000 Dollar, Sanders erhielt mehr als 115.000 Dollar, wie Daten der Washingtoner Organisation Center for Responsive Politics zeigen. Apple-Angestellte gaben Warren 45.000 Dollar und Sanders 65.000 Dollar.

Für den Besucher in der texanischen Fabrik hingegen spendet kaum einer von ihnen. Donald Trump ist in Tim Cooks Unternehmen nicht sehr beliebt. Den Programmierern, Designern und Arbeitern in den blauen Kitteln dürfte also missfallen haben, dass ihr Chef den Präsidenten zwischen Fließbändern voller Mac Pros auf die Demokraten schimpfen ließ.

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